„Nie wieder von hundert auf null"

Interview mit Susanne Lutz, Geschäftsführerin der Lutz Ausbau GmbH & Co. KG
Ärgerlich war das. 2007 und 2008 ging jeweils ein Kunde in die Insolvenz und das, obwohl man schon länger über den Abschluss einer Kreditversicherung nachdachte. Vorhersehbar waren die Pleiten nicht. Beide Unternehmen hatten gute Ratings bei Wirtschaftsauskunfteien. Umso schmerzlicher waren die Konsequenzen. „Ich musste sogar privat einen Kredit aufnehmen, um den Schaden zu verkraften“, sagt Susanne Lutz, Geschäftsführerin der Lutz Ausbau GmbH & Co. KG. Ihr Unternehmen hat sich auf den Innenausbau von Supermärkten spezialisiert. Mit zwei Mitarbeitern setzt sie dabei auf schlanke Strukturen. Denn die Lohnnebenkosten sind hoch und der Preisdruck groß. Sie beauftragt lieber langjährig eingespielte Montagetrupps, um flexibel zu bleiben. Auch in Sachen Forderungsmanagement setzt sie seit 2009 auf externe Profis: ihre Kreditversicherung. Böse Überraschungen wie in den Vorjahren schließt sie damit aus.
Frau Lutz, Sie haben in 2007 und 2008 viel Lehrgeld zahlen müssen. Was gab den Ausschlag für den Abschluss einer Kreditversicherung?
Wir haben relativ lange darüber diskutiert, ob sich eine Kreditversicherung wirklich lohnt. Schließlich kostet sie ja auch Geld. Die zweite Insolvenz eines Kunden hat uns dann aber klar und leider sehr schmerzlich vor Augen geführt, wie wichtig eine Absicherung für den Fortbestand unseres Unternehmens ist. Sie verhindert, dass uns die Insolvenz eines Kunden noch einmal buchstäblich von 100 auf 0 ausbremst.
Und, hat sich Ihre Kreditversicherung schon ausgezahlt?
Auf jeden Fall. Die Kreditversicherung ist aus unserem Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Sie gibt uns wirklich große Sicherheit, vielmehr als reine Wirtschafsauskünfte. Auch, wenn bisher kein neuer Schadenfall eingetreten ist. Aber genau das ist ja unser Ziel.
Das heißt, Sie setzen mit Ihrer Kreditversicherung in erster Linie auf Prävention?
Ja, Atradius prüft die Zahlungsfähigkeit unserer Kunden im Vorfeld sehr genau, schon im eigenen Interesse. Darauf können wir uns verlassen und das ist wirklich sehr beruhigend. Außerdem hat uns die Kreditversicherung dazu gebracht, unsere eigenen Prozesse in Sachen Forderungsmanagement zu optimieren. Wir gehen jetzt viel professioneller mit unseren Schuldnern um. Ganz aktuell wollte ein Kunde zum Beispiel nicht zahlen. Wir haben dann zusammen mit Atradius überlegt, was zu tun ist. Und am Ende ging die Zahlung dann doch ein.
Halten Sie eine Beeinträchtigung Ihrer Kundenbeziehungen für möglich? Schließlich setzen Sie mit der Kreditversicherung ja auf das Prinzip „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“…
Nein im Gegenteil. Wir sagen unseren Kunden auch, dass wir kreditversichert sind und gehen mit dem Thema offen um. Wer seine Rechnung nicht bezahlt, begeht in meinen Augen Diebstahl. Sich davor zu schützen, ist doch nur legitim. Und ehrliche Geschäftsleute haben damit auch kein Problem. Übrigens sind wir auch gegenüber unseren eigenen Lieferanten transparent, wenn es um unsere Bonität geht. Das ist doch selbstverständlich und gehört für uns zum guten Ruf eines Unternehmens. Außerdem haben ja auch wir ein Interesse daran, Lieferantenkredite zu nutzen.
Erfahrungsbericht Kleinunternehmen II