„Zusammenarbeit mit Kreditversicherung hat das Wachstum der Unternehmensgruppe maßgeblich gefördert“
Thomas Löhr, Geschäftsführer Finanzen und Controlling der Georgsmarienhütte Holding GmbH
„Stahl aus Georgsmarienhütte wird überall dort eingesetzt, wo die Belastung am größten ist“ heißt es auf der Website des Stahlproduzenten aus der gleichnamigen knapp 33.000 Einwohner zählenden Stadt im Osnabrücker Land. Die Belastung für die Unternehmensgruppe Georgsmarienhütte Holding GmbH selbst hätte jedoch im Krisenjahr 2009 nicht größer sein können. Der Umsatz schrumpfte im Jahresvergleich um knapp 40 Prozent. Und in einigen Geschäftsbereichen brachen die Einnahmen sogar noch stärker ein. Doch Georgsmarienhütte hielt der Belastungsprobe stand und konnte das Geschäftsjahr mit einem ausgeglichenen Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit abschließen. Mit Kreativität, Kurzarbeit und: Kreditversicherung.
Herr Löhr, wie haben Sie die Krise gemeistert?
Unser Leitsatz lautet „Vorbereitung schlägt jede Prognose“. Trotzdem hat diese Krise all unsere Worst-Case-Szenarien weit übertroffen. Aber wir haben uns der harten Realität gestellt und die notwendigen und einschneidenden Maßnahmen ergriffen. Mittlerweile sind wir wieder auf Wachstumskurs.
Welche Rolle spielt die Kreditversicherung dabei?
Wir verlassen uns in mehrfacher Hinsicht komplett auf unsere Kreditversicherung. Für die Bonitätsprüfung unserer Kunden beispielsweise halten wir in der gesamten Unter-nehmensgruppe keine eigenen Kapazitäten vor. Wir produzieren in den meisten Fällen auftragsbezogen. Die Bonitätsanalyse muss also vor Produktionsbeginn erfolgen, und das bei 10 Prozent neuen Kunden pro Jahr. Dieses umfangreiche Risikomanagement haben wir komplett auf die Kreditversicherung übertragen. Deren Entscheidungen werden im Übrigen unmittelbar in unsere operativen Prozesse integriert. Änderungen in der Bonitätsbewertung des Kreditversicherers sensibilisieren unseren Vertrieb und führen zu einer entsprechenden Überarbeitung unserer internen Produktionsplanung. Insgesamt gilt bei uns der Grundsatz: keine Forderungen ohne Versicherung.
Hat sich diese Risikophilosophie bei Ihnen schon ausgezahlt? Schließlich kostet die Kreditversicherung ja auch Geld.
Richtig. Beachten Sie bitte, dass der Cashflow gerade in schwierigen Zeiten von enormer Bedeutung ist. Forderungsausfälle können nicht kompensiert werden und die Liquidität ist in der Regel angespannter. Jedes Unternehmen hat ja auch eine Feuerversicherung für die Gebäude und will diese nicht in Anspruch nehmen. Außerdem sehen wir Einsparungen auf der Personalseite, weil wir keine Abteilung Risikoanalyse für unsere Kunden vorhalten. Und eins steht fest: Die Zusammenarbeit mit Kreditversicherungen hat das Wachstum der Unternehmensgruppe maßgeblich gefördert
Wieso?
In den ersten Jahren seit der Übernahme unserer Unternehmensgruppe durch Dr. Großmann haben wir uns nur über Lieferantenkredite und zum Teil über Factoring finanziert. Ohne die Risikoübernahme durch die Kreditversicherung hätte das nicht funktioniert. Unsere eigenen Zulieferer koppeln die Vergabe von Lieferantenkrediten eben auch an die Versicherung. Die eingeräumten Lieferantenkredite sind in etwa so hoch wie unsere Bankschulden.
Sie nutzen also indirekt auch die Kreditversicherung Ihrer Lieferanten, um von günstigen Finanzierungskonditionen zu profitieren?
Ja, genau. Voraussetzung dafür ist aber, dass wir mit den Kreditversicherern unserer Lieferanten genauso offen umgehen wie mit unseren Banken. Dazu gehören die frühzeitige Einbindung der Kreditversicherung in die Kreditgespräche und der regelmäßige Informationsaustausch mit den Entscheidungsträgern. Wir erklären dabei unser Geschäftsmodell und sensibilisieren unsere Kreditgeber für unseren Geschäftszyklus. Denn durch die Volatilität der Rohstoffe ergeben sich erhebliche Bandbreiten im Kreditbedarf. Auch, dass wir durch das Risikomanagement der Kreditversicherung in den letzten Jahren ohne nennenswerte Forderungsausfälle wachsen konnten, hat das Vertrauen der Finanzierungspartner in unsere Unternehmensgruppe gestärkt.
Auch wenn für Sie Vorbereitung vor Prognose kommt, wie wird sich Ihr Geschäft wohl in den nächsten Monaten weiter entwickeln?
Ob oder wann es wieder nachhaltig aufwärts geht, kann wohl niemand wirklich sicher vorhersagen. Derzeit registrieren wir jedenfalls wieder steigende Umsätze. Und damit einher geht ein erhöhter Finanzierungsbedarf. Die Kreditversicherung begleitet unseren derzeitigen Mehrbedarf sowohl aus der Lieferanten- also auch der Abnehmerperspektive.
Über die Georgsmarienhütte Holding
Die Unternehmensgruppe Georgsmarienhütte beschäftigt aktuell rund 10.000 Mitarbeiter und ist entlang der Wertschöpfungskette vom Schrott bis zum Qualitätsedelstahl positioniert. In zwölf unabhängigen Geschäftsbereichen sind die Unternehmen der Georgsmarienhütte Unternehmensgruppe nach Markt- und Produktionskompetenzen zusammengefasst. Diese Organisation ermöglicht es den Unternehmen des jeweiligen Bereiches, gemeinsam am Markt zu agieren und flexibel und schnell auf Kundenwünsche zu reagieren. Der konsolidierte Gruppenumsatz liegt über € 2 Mrd.
Erfahrungsbericht Großunternehmen